![]() |
|
- Definition von SIDS
- Häufigkeit von SIDS
- Ursachen von SIDS
- Symptome von SIDS
-
Diagnostik von SIDS gefährdeten Kindern
- Therapie von SIDS
- Risikogruppen für SIDS
- Vorbeugung von SIDS
- Risikofaktoren
- Neuere Theorien zur Ursache von SIDS
- Wann soll man den Kinderarzt kontaktieren?
- Der Monitor zur Vorbeugung von SIDS
- Wann muß ein Monitor verwendet werden?
- Wann kann ein Monitor verwendet werden?
- Monitortipps für die Vorbeugung von SIDS
- Nachbetreuung im Falle von SIDS
(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at
Mit SIDS bezeichnet man alle alle plötzlichen, unerklärlichen
Todesfälle gesunder Säuglinge, bei
denen sich auch nach genauer Untersuchung keine Ursache
finden läßt.Die Diagnose plötzlicher Kindstod oder SIDS (Abkürzung für Sudden Infant Death Syndrome) kann nur gestellt werden, wenn alle bekannten und möglichen anderen Ursachen ausgeschlossen worden sind. Daneben gibt es das sogenannte ALTE (= Apparently Life-Threatening Event, früher auch Near-SIDS), ein durch rechtzeitiges Eingreifen verhinderter Kindstod.
Etwa ein Promille aller Lebendgeborenen sind betroffen, Knaben etwas häufiger als Mädchen. SIDS stellt nach der Neugeborenenperiode die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr dar, wenngleich die absolute Häufigkeit bezogen auf alle Lebendgeborenen gering ist. In den letzten Jahren ist allerdings ein deutlicher Rückgang durch wirksame Vorsorgemaßnahme zu beobachten. Durch die konsequente Vermeidung bekannter Risikofaktoren müsste ein weiterer Rückgang möglich sein. Besonders häufig betroffen sind Säuglinge zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat und in den Wintermonaten. Rund 90% der Fälle treten im ersten Lebenshalbjahr auf.
Bereits seit mehr als hundert Jahren wird nach den möglichen Ursachen dafür gesucht. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren am Zustandekommen dieses schrecklichen Ereignisses beteiligt. Man vermutet als wichtigsten Faktor eine Unreife des Atemantriebes, die in Verbindung mit anderen Faktoren zum Auf- treten von SIDS führen kann.
Die Symptome entsprechen einem Herz-Kreislauf-Stillstand, das Kind wird meist bewußtlos, blass bis leicht bäulich, schlaff und mit veränderter Atmung im Bettchen aufgefunden.
kann im Schlaflabor (Polysomnographie) durch die simultane Aufzeichnung verschiedener Parameter wie Puls, EKG, EEG, nasaler Luftstrom, Brustkorb- bewegungen am schlafenden Kind eine SIDS-Gefährdung festgestellt werden. Bei manchen Kindern können weiterführende Untersuchungen wie Langzeit-EKG, Röntgen, Ösophaguskontrastdarstellung, Schädelultraschall etc. zum Ausschluss anderer Grunderkrankungen notwendig sein.
Während einer lebensbedrohlichen Krise sind Wiederbelebungsmaßnahmen wie Mund-zu-Mund-Beatmung angezeigt, oft sind jedoch Wecken und Stimulation ausreichend.
-
Säuglinge, die bereits eine Episode von ALTE
durch rechtzeitiges Eingreifen überstanden haben
- Das Riskio ist um
etwa das 2,5fache in Familien erhöht, in denen bereits SIDS Fälle (etwa
bei Geschwistern) aufgetreten sind
- Kinder, bei denen im Schlaflabor
Atemunregelmäßigkeiten festgestellt wurden
- Kinder drogenabhängiger
Mütter
- Kinder mit starkem Untergewicht bei der Geburt
- Der früher oft genannte Risikofaktor Frühgeburt taucht in neuen Studien nicht mehr als eigener Faktor auf. Bei Frühgeborenen, die mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm auf die Welt gekommen sind, besteht nur bei zusätzlichen Erkrankungen (z.B. Lungenkrankheiten) ein erhöhtes Risiko.
- Auch eine verlangsamte Erweckbarkeit aus dem Schlaf,
auffallende Bewegungsarmut und hohes, schrilles Schreien sollen mit
einem erhöhten Risiko verbunden sein.
Verschiedene Risikofaktoren sind bekannt, die das Auftreten eines plötzlichen Kindstods begünstigen
- Säuglinge sollten im 1.Lebensjahr in Rückenlage schlafen. Die Bauchlage und möglichst auch die Seitenlage sollte man vermeiden, da sie weniger stabil ist und sich einige Kinder möglicherweise in die Bauchlage rollen können. Gemäß einer Umfrage im Raum Bern werden noch immer etwa 60% der Kinder auf die Seite gelegt.
- Der Kopf des Babys sollte nicht durch Bettzeug bedeckt werden können. Es wird empfohlen, den Säugling so zu legen, dass die Füße am Bettende anstehen, um so ein Rutschen unter die Bettdecke zu vermeiden.
- Babys
sollten nicht auf weichen Unterlagen oder mit Kopfpolster schlafen.
- Säuglinge sollen im elterlichen Schlafzimmer, aber im eigenen Bett
schlafen.
- Säuglinge und Kinder sollten sowohl vor als auch nach der
Geburt in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. Rauchen in der
Schwanger- schaft beeinträchtigt die Entwicklung des Babys und stellt ein
Risiko für den plötzlichen Säuglingstod dar.
- Raumtemperatur und Bettdecke sollten so gewählt werden, dass es für das Kind angenehm, d.h. weder zu warm noch zu kalt ist. Nach dem ersten Lebensmonat benötigt ein Baby in der Wohnung im Prinzip nicht mehr Bekleidung als ein Erwachsener. Zum Schlafen genügen eine Windel, ein Schlafanzug und eine dünne Decke. Die ideale Raumtemperatur liegt bei etwa 18°C. Wärmedecken sind für Babys nicht geeignet.
- Achten Sie auf mögliche
Strangulationen durch Schnüre oder Ketten und auf sichere
Gitterabstände (4,5–7,5 cm) des Gitterbettes.
- Wenn möglich, sollte
länger als 2 Monate gestillt werden.
- Impfungen haben keinen
Zusammenhang mit der Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes. Eine Studie
aus Schweden berichtet nach einer Abnahme der Impfhäufigkeit gegen
Keuchhusten einen Anstieg der SIDS-Rate. Nach Vorziehen dieser Impfung
vom dritten auf den zweiten Lebensmonat ging die SIDS-Rate wiederum
zurück.
- Schnuller dürften einen positiven Effekt haben, also eine
Gefährdung des Kindes vermindern.
- Eine Schlafüberwachung durch einen
Heimmonitor ist nur bei ausge- wählten Risikokindern sinnvoll. Die Effektivität des Monitorings ist unbewiesen, da auch moderne Geräte mit
intelligenten Algorithmen in der Überwachung Lücken zeigen.
- Eltern
sollten in der Herzmassage und Mund- zu Mund-Beatmung unterrichtet und
geübt sein.
- Eine routinemäßige Untersuchung im Schlaflabor wird nicht
empfohlen, sondern sollte sich auf Risikogruppen beschränken.
- Der plötzliche Kindstod ist nicht ansteckend.
- Gehen Sie regelmäßig zu den
Vorsorgeuntersuchungen!
- Eine Studie der Universität von Manchester nennt ein bestimmtes Bakterium (Helicobacter pylori) als möglichen Cofaktor.
- Eine Innsbrucker Forschergruppe hat einen
möglichen Zusammenhang zwischen jener Atemschwäche, die zum plötzlichen
Kindstod führt und der angeborenen Überaktivität eines bestimmten
Ionenkanals (SK3) in Nervenzellen entdeckt.
- Gebrauchte Matratzen
waren nach einem Bericht von Forschern aus Glasgow im „Medical Journal“
möglicherweise mitverantwortlich für den plötzlichen Kindstod.
Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang, wenn die Matratzen
nicht innerhalb der eigenen Familie "vererbt" worden waren, sondern von
anderen Familien weitergegeben wurden. Im Verdacht standen Bakterien,
die in gebrauchten Matratzen in hohen Konzentrationen vorkommen. Diese
Untersuchung konnte noch nicht bestätigt werden.
- Eine spezielle
Herzrhythmusstörung (verlängertes QT-Syndrom) wird gehäuft bei
SIDS-Opfern vermutet. Überlegungen zu Gemeinsamkeiten mit diesem
sogenannten Long-QT-Syndrom bieten sich also an. Bei positiver
Familienanamnese (SIDS oder QT-Syndrom) erscheint es demnach sinnvoll,
EKG-Untersuchungen vorzunehmen und ggf. eine Therapie einzuleiten.
(SCHWARTZ, P. J. u. Mitarb.; New Engl. J. Med. 1998).
- Eine Bonner
Gruppe um Dr. Dettmeyer hat Herzgewebeproben unter- sucht und konnte
verstärkt Enteroviren nachweisen (Coxsackie-Viren, Parvovirus B19). Von
Enteroviren weiß man, daß sie Herzmuskel- entzündungen und
Herzrhythmusstörungen hervorrufen können.
- wenn eine Vorsorgeuntersuchung fällig ist
- wenn das Baby Krankheitszeichen zeigt (z.B.
bei Fieber, Durchfall, Atemnot, ...)
- wenn das Baby um den Mund oder
im gesamten Gesicht blau wird, im Schlaf ungewöhnlich stark schwitzt
oder auffallend blass ist
- wenn Sie bei Ihrem Baby im Schlaf
Atempausen über 15 Sekunden beobachten sollten
- wenn das Baby häufig
erbricht oder Probleme beim Trinken hat
- wenn Sie einen anderen Grund
zur Beunruhigung haben.
- Nach ALTE (wenn keine
therapierbare Ursache gefunden wurde)
- ehemalige Frühgeburten mit Lungenerkrankung und Sauerstoff- abhängigkeit (vorrangig Pulsoximeter)
- Früh- und Neugeborene, die zum Zeitpunkt der Entlassung noch eine
auffällige Atmung haben.
- bei einem SIDS-Geschwister in
einer Familie
- bei Frühgeborenen mit weniger als 1500g Geburtsgewicht
- bei Säuglingen drogenabhängiger Mütter
- bei Krankheitsbildern, die
mit einer Störung der Atmung einhergehen, um eine Verschlechterung des
klinischen Zustandes rechtzeitig erkennen zu können
- zur
Diagnosestellung (z.B. mittels Speichermonitoren)
- und auf Wunsch der
Eltern.
- Stellen Sie bei jedem Alarm
zuerst fest, dass bei dem Baby kein ernsthafter Zwischenfall vorliegt
- Lesen Sie sich die Gebrauchsanweisung Ihres Monitors gut durch und
bestehen Sie auf einer exakten Einschulung.
- Die Hautstellen, auf
denen selbstklebende Elektroden platziert werden sollen, nicht
eincremen, nicht einölen und nicht einpudern.
- Elektroden sollten bei
warmem Wetter kühl gelagert werden, da die Funktionstüchtigkeit sonst
relativ rasch nachlässt.
- Wechseln Sie bei
Unverträglichkeitsreaktionen häufig die Stellen der Elektroden oder
wechseln Sie auf eine andere Herstellerfirma.
- Der Monitor sollte
nicht auf Fernsehern, Computern oder anderen strahlenden Geräte stehen.
- Lassen Sie bei häufigen Alarmen einen Arzt die Grenzwerte überprüfen.
- Die Elektroden sollten in ausreichendem Abstand kleben.
- Ein Nachtlicht in der Nähe des Babybettes erleichtert im Alarmfall die Beobachtung des Säuglings.
- Um einer eventuellen Strangulationsgefahr
vorzubeugen, sollte bei Säuglingen das Elektrodenkabel unter einem Arm
oder einem Hosenbein aus der Strampelhose herausgeleitet werden.
Bitte wenden Sie sich im Falle eines derartigen tragischen Ereignisses an eine Selbsthilfegruppe oder ein Zentrum für SIDS-Vorsorge. Selbsthilfegruppen und psychologische Betreuung für SIDS-Betroffene in Deutschland




